Radio Argovia: „Zu Gast in dieser Stunde ist eine interessante Stiftung, die Stif- Pegasus. Diese Stiftung setzt sich für die Wiedereingliederung von psychisch behinderten Menschen ein. Mehr Infos zu dieser Stif- tung gibt es vom Geschäftsführer, André Rotzetter.“
André Rotzetter: Die Stiftung Pegasus ist eine soziale Institution, die auf der einen Seite in Baden das Restaurant Roter Turm betreibt und in Aarau und Wohlen geschützte Werkstätten betreibt. Wir führen verschiedene Eingliederungsmassnahmen für psychisch Behinderte durch.
Radio Argovia: Wie muss man sich diese Stiftung vorstellen?
A. Rotzetter: Man muss sich das so vorstellen, dass wir ein normaler Arbeit- geber, ein Betrieb, sind. Anstatt Leute anzustellen, die normal auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle suchen, stellen wir gezielt Leute mit einer psychischen Behinderung an.
Radio Argovia: Sind das viele Plätze im Aargau?
A. Rotzetter: Wir betreiben 100 Arbeitsplätze. Und es gibt natürlich noch andere Stiftungen, die dasselbe tun.
Radio Argovia: Was ist das Ziel Ihrer Stiftung?
A. Rotzetter: Das letzte Ziel ist eigentlich die Wiedereingliederung der Leute zurück in den 1. Arbeitsmarkt, aber das ist natürlich nicht bei jeder Person möglich. Dann geht es um Beschäftigung.
Radio Argovia: Welche Erfahrungen habt Ihr in der Zeit gemacht, in welcher Ihr existiert?
A. Rotzetter: Sehr unterschiedliche. Es gibt auf der einen Seite Leute, bei de- nen die psychische Behinderung „vernarbt.“ Bei Ihnen ist dann ein Eintritt in den 1. Arbeitsmarkt möglich. Bei den Leuten, die länger bei uns sind, sind das vielleicht 10 Prozent. Aber es braucht natür- lich Jahre, bis so etwas „vernarbt.“ Und dann gibt es einfach Leu- te die in einem sehr schlechten Zustand sind, bei denen es nicht darum geht, diese in den 1. Arbeitsmarkt einzugliedern, sondern Ihnen eine Tagesstruktur zu geben; damit sie unter Freunden oder Arbeitskollegen ein einigermassen normales Leben führen kön- nen.
Radio Argovia: Aus welchem Umfeld kommen diese Leute, die bei Ihnen beschäftigt sind?
A. Rotzetter: Das sind sehr gut ausgebildete Leute, es gibt ältere Leute, die mal in hohen Positionen waren, Geschäftsführer oder die in einer Verwaltung gearbeitet haben. Aber wir haben natürlich auch Hilfsarbeitende. Wir haben eigentlich alle Leute, alle Kategorien. So eine Erkrankung kann alle Leute treffen. Das ist nicht „schichtbedingt.“
Radio Argovia: „Der Geschäftsführer der Stiftung Pegasus, André Rotzetter“
Am 19. April organisiert die Stiftung einen Tag der offenen Tür. Wir berichten gleich als nächstes, in einem zweiten Teil darüber (in der zweiten halben Stunde). Oder es gibt im Netz Informatio- nen zu dieser Stiftung unter: www.pegasus-aargau.ch
Radio Argovia: In dieser Stunde ist die Stiftung Pegasus zu Gast. Diese Stiftung betreibt an drei Standorten (in Aarau, Wohlen und Baden) insge- samt 100 Arbeitsplätze für Menschen mit einer psychischen Be- hinderung. Olaf Meiburg, Sie sind der Betriebsleiter, und André Rotzetter, Sie sind der Geschäftsführer dieser Stiftung. Am 19. April habt Ihr einen Tag der offenen Tür. Was zeigt Ihr alles an diesem Tag?
O. Meiburg: Am 19. April stellen wir in erster Linie unsere Werkstätten vor. Man kann sich alles anschauen. Wir wir arbeiten, was wir arbeiten, mit welchen Personen wir arbeiten. Wir haben auch Redebeiträge; einerseits von uns intern, andererseits haben wir den Leiter des externen psychiatrischen Dienstes gewinnen können. Und die Präsidentin des Vereins „Anker“, Doris Benken. Sie wird auch eine Rede halten bei uns.
Radio Argovia: Was ist das Ziel dieses Tages?
O. Meiburg: Das Ziel des Tages ist einerseits uns zu präsentieren. Zu zeigen, dass bei uns nicht hinter verschlossenen Türen gearbeitet wird, sondern dass bei uns auch gut gearbeitet werden kann. Ziel ist aber auch, Auftraggebern zu zeigen, dass wir mit unseren Werkstätten in ganz normalem Arbeitsumfeld arbeiten können.
Radio Argovia: Merken Sie, dass es teilweise noch gewisse Hemmschwellen gibt?
O. Meiburg: Die Hemmschwellen existieren. Die sind in der Gesellschaft genrell da. Psychisch beeinträchtigte oder psychisch behinderte Men- schen sind am Rande der Gesellschaft, sind oft sehr ausgegrenzt, und sie haben keine Lobby. Unsere Aufgabe ist auch, Lobbyarbeit zu machen für Menschen, die eine psychische Erkrankung haben.
Radio Argovia: Wie wichtig ist diese Lobbyarbeit heute noch? Ist sie noch wichtig, braucht es sie noch?
O. Meiburg: Es braucht sie sehr. Insbesondere im Prozess des Wiedereintritts in den Arbeitsbereich. In den letzten Jahren sind viele Nischenar- beitsplätze gestrichen worden. Auch wenn es jetzt der Wirtschaft wieder besser geht, ist es nicht so, dass die Nischenarbeitsplätze wieder geschaffen werden. Wir sind jetzt daran, auch die Arbeit- geber wiederzufinden, um genau diese Plätze wiederentstehen zu lassen.
Radio Argovia: Was kann man zu diesem 19. April sonst noch sagen?
A. Rotzetter: Dass es eine gesamtschweizerische Veranstaltung von den Be- hindertenorganisationen ist, es wird nicht der einzige Tag der of- fenen Tür sein in der Schweiz. Es werden sehr viele soziale Insti- tutionen, die mit Behinderten arbeiten, ihre Türen öffnen und zeigen, was sie machen.
Radio Argovia: Was erwarten Sie persönlich vom Tag der offenen Tür?
A. Rotzetter: Gute Gespräche und evtl. auch Arbeitgeber, die konkret vorbei- schauen und sich ansehen, was wir machen. Wir merken, dass man im Bereich der Arbeit, die man uns gibt, davon überzeugt ist, die Qualität stimme nicht. Wenn man reinschaut, sieht man, dass dem nicht so ist. Wir liefern Topqualität ab in diesem Bereich, wir machen es vielleicht ein wenig verlangsamt, oder mit 2 oder 3 Leuten. Das ist eigentlich inzwischen klar. Wir konnten gute Kunden gewinnen, auch namhafte Firmen, die jetzt mit uns zusammenarbeiten.
Radio Argovia: „Olaf Meiburg und André Rotzetter von der Stiftung Pegasus“ An diesem Tag gibt es auch eine Autogrammstunde mit dem FC Aarau und mit dem EHC Aarau. Musikalische Unterhaltung gibt’s von einer Schaffhauser Band. Der Tag der offenen Tür findet in Aarau an der Wässermattstrasse 8 statt. Infos dazu auf www.pegasus-aargau.ch